Unlängst hatte ich eine längere Unterhaltung mit jemandem, mit dem ich arbeite. Wir sprachen über unsere Kinder, unsere Familien und das, was uns prägt. Als Familie, als Person... überhaupt. Und dann sprachen wir über Werte. Was wir unseren Kindern vermitteln wollen, was wir ihnen mitgeben wollen für ihr Leben und auch, was wir hoffen, dass sie eines Tages weitergeben. Es gibt so vieles, das uns beeinflusst und so viele Dinge, die wir verändern im Laufe unseres Lebens - oft ändern wir auch unsere Meinung oder beschreiten komplett neue Wege. Und doch bleiben Grundgedanken sehr oft gleich. Sie gehen den Weg in all seinen Entwicklungsschritten mit.
An Tagen, an denen meine große Tochter mit einem reichen Fundus an neu gelernten Schimpfwörtern nach Hause kommt, von Streitereien im Kindergarten berichtet oder ich beim Abholen das Gezanke direkt mitanhören darf... an solchen Tagen frage ich mich manchmal, ob das, was wir unseren Kindern zu Hause vorleben, ihnen zeigen und sie erleben lassen - ob das überhaupt all das, was es eben auch im Leben gibt und vor dem ich sie nicht abschotten kann, überleben kann. Es gibt aber auch Tage, an denen ich sehe, wie sie sich in einer Situation gut wehren kann, ohne gleich zu schreien oder um sich zu schlagen. Es gibt Tage, an denen sie eine Haarspange mit einem Frosch auswählt, obwohl ihr noch am Tag vorher eine Kindergartenkollegin erklärt hat, dass nur die japanische Katze cool wäre und sie gefälligst auch eine solche tragen solle. Einen Satz, den sie schlicht und einfach entkräftet mit einem: Ich kann anziehen, was mir gefällt. während an einem anderen Tag dicke Tränen kullern, weil xy wegen der Haarspange nicht mehr ihre Freundin sein will.
Manchmal - eigentlich meistens während der Kindergartentage (während der Ferien seltener) - frage ich mich, wie das noch weitergehen wird. Wenn sich mein großes Mädchen eine selbstgestrickte Weste aus vielen bunten Wollstreifen wünscht, frage ich mich manchmal, wie lange sie das wohl noch so frei sagen wird. Wie lange wird es dauern, bis sie sich angleichen will an den allgemeinen Klein-Erwachsenenlook ihrer Kindergartenfreundinnen. Oder wird sie es schaffen, sich selber treu zu sein, egal welche Kleidung ihr nun am besten gefällt, ob Zigaretten und Alkohol wirklich cool sind und was andere vorgeben. Wird sie immer glücklich auf ihrer Geige fideln oder wird sie doch irgendwann alles aufgeben zu Gunsten von Coolness. Ja, wer weiß...
Alles gehört dazu, die Zweifel und die Überzeugung, zuletzt aber wohl auch die Hoffnung, dass so manches die vielen Entwicklungsphasen im Laufe eines Lebens überdauert und sie im Guten beeinflusst. Wenn man ehrlich auf seinen eigenen Lebensweg zurückblickt, entdeckt man ja auch Erfahrungen, die man vielleicht hätte vermeiden können - und doch gehören sie einfach dazu. Ich weiß, dass auch unsere Kinder Fehler machen werden und aus ihnen lernen können - so wie wir, ihre Eltern, eben auch. Dieses Unterwegssein meiner Kinder auf ihrem ganz und gar eigenen Lebensweg, auf dem ich sie begleite und den ich nicht in allen Bereichen bestimmen kann (und auch gar nicht will - nur manchmal *zwinker*) - nun... es fällt mir nicht immer leicht (jetzt schon! Wie soll das erst in Pubertät & Co. werden?!?!?!?) da die Ruhe zu bewahren und Vertrauen in das Selbstbewusstsein meiner Kinder zu haben, auch wenn sie auf Gefährten treffen oder Erfahrungen machen, die ich am liebsten aus ihrem Leben ausklammern würde... ja, es ist wohl einfach ein Unterwegssein mit allen Facetten... mit guten und weniger guten Tagen. Nun: ich freue mich jetzt jedenfalls schon auf die nächsten Ferien, wo wieder ein bisschen mehr Ruhe einkehrt für uns in dieser Hinsicht... hoffentlich... (heute nämlich: Thema... wer hatte das beste und coolste Faschingskostüm. Nun, meine kleine Hexe nicht - und heute ist ein Tag, wo ihr das sehr zu schaffen macht ... *seufz*) ....