Freitag, 01. Juni 2012

was gut tut: keine garantien...


Gestern war ich bei einer Podiumsdiskussiondie sich mit Pränataldiagnostik auseinandersetzte. Mit der Rolle, die mir mein Beruf gibt und auch mit jener als Mutter. Ich saß da also zwischen Ärzten und einem Vertreter einer Organisation, die Menschen mit Behinderung (welcher Form auch immer) begleitet, von Klein auf bis ins Alter. Ich hatte diesem Termin zugesagt, als ich noch nicht wusste, dass da unser kleines Wunder in meinem Bauch bereits heranwuchs. Und ich schaute mir schon im Vorfeld den Film Mein kleines Kind an, der dort auch in seiner Kurzfassung gezeigt werden würde (weitere Infos kann man auch hier finden). 
Das war nicht einfach für mich - vielleicht, weil man als Mutter diese seltsame Angst in sich trägt, dass den eigenen Kindern etwas zustoßen könnte, vor dem man sie nicht beschützen kann. Diese Ängste kommen immer wieder hoch in mir - und gerade Schwangerschaften sind aus diesem Grund nicht einfach für mich. Weil ich mir, wie vermutlich jede andere werdende Mutter auch, nichts sehnlicher wünsche, als das Kind nach ungefähr 40 Wochen gesund und wohlbehalten in meinen Armen liegen zu haben. Im Hinterkopf weiß ich aber, dass es weder Garantien dafür, noch für sonst etwas im Leben gibt. Es bleibt mir das Vertrauen und die gute Hoffnung. Der Film weckte alle diese Gefühle in mir - und doch war er tröstlich. Weil ich das Gefühl hatte, es gibt immer einen Weg - auch wenn man glaubt, in einer wirklich aussichtslosen Sackgasse festzustecken. Und irgendwie bestärkte er mich auch in meinem/unserem Denken, uns in jedem Fall für ein Kind zu entscheiden - und genau aus diesem Grund keine zusätzlichen pränatalen Untersuchungen (neben den vorgesehenen im Mutterkindpass) zu machen. Es ist unser Kind, auch wenn seine Entwicklung anders verläuft als vielleicht erhofft.


Ich war ziemlich nervös vor dem gestrigen Abend. Auch wenn ich die anderen am Podium ganz gut kenne schon und wir eine Besprechung vorher hatten, bei der wir unsere Ansichten miteinander teilten - die, wenn auch mit unterschiedlichen Argumenten, gar nicht so weit auseinander liegen. Der Film berührte sehr. Nicht nur die Mütter im Publikum. Und die anschließende Diskussion war eine wirklich gute, sehr offene und vielseitige. Und auch, wenn ich viele traurige Geschichten an jenem Abend gehört habe: ich fühle mich bereichert. Und trage noch mehr Hoffnung in mir. Nicht nur für das Kind, das in mir heranwächst. Sondern vor allem für die sogenannte Gesellschaft. Weil ich - auch wenn ich manchmal einen ganz anderen Eindruck habe - gespürt habe, dass es Menschen gibt, die sich für das Leben einsetzen, egal ob ganz am Beginn oder auch an seinem Ende. Menschen, die bei ihrer Arbeit für andere da sind, Menschen beraten, unterstützen und so Hoffnung geben. Menschen, die durch ihr eigenes Leben Beispiel geben und nicht über die schlechten Zustände jammern, sondern selbst beginnen mit einem ersten Schritt... (ein Beispiel ist hier bei Iren zu finden!) - denn das Leben ist letztlich ein großes Wunder, das man auch mit den besten Diagnosemöglichkeiten und medizinischen Forschungen nicht im Letzten kontrollieren kann. Es gibt keine Garantien. Und vielleicht ist/tut das auch gut so.


Mittwoch, 30. Mai 2012

was gut tut: damals, als...


Es gibt einige Begebenheiten in meinem Leben, die sehe ich ganz klar vor mir, wenn ich an sie denke - oder wenn ich einen Gegenstand zur Hand nehme, der mich an diese bestimmte Situation erinnert. Manchmal ist es auch der Geschmack von etwas, das mich fast schon wie bei einer Zeitreise zurückversetzt nach damals, als... - und als ich vor einigen Wochen das Buch vom Sammler der Augenblicke aus dem Regal nahm, war da dieses Gefühl von damals, als... so präsent, als gäbe es rund um mich keine kleinen Mädchen, vor denen ich das Buch in Sicherheit bringen wollte und ein Regal höher stellen oder ein großes Mädchen, das mir zum x-ten Mal an diesem Tag mit dem selben Buch in den Ohren lag, das ich ihr vorlesen sollte (und auch, wenn ich es wirklich ein wunderbares Buch finde - ein wenig Pause von der Reise auf der Wolke wäre in Anbetracht dessen, dass ich das Buch nun schon seit einer Weile jeden Abend vorlese, auch mal ganz gut) ... und ja, dass da draußen ein stürmisches Gewitter aufzog... auch das schien mir ganz weit weg...


Ich war da wieder die junge Lehrerin Anfang 20, die so überhaupt nicht glücklich mit ihrem Beruf und dem Ort ihres Wirkens war. Ich konnte das Holz in meiner kleinen Behausung im Dachgiebel eines alten Hauses riechen und meine große... Enttäuschung. Von allem eigentlich. Ich hatte ein Vernunftsstudium gemacht, es mit Auszeichnung abgeschlossen und niemand, dem ich davon erzählte, konnte verstehen, wieso ausgerechnet ich nicht hellauf von diesem Beruf begeistert war. Den ganzen Tag war ich von Schülern und anderen Lehrern umgeben und freute mich auf die Stille meiner kleinen Wohnung dann am Abend. Kaum war ich aber dort, fühlte ich mich alleine. Jedenfalls fuhr ich viele Kilometer mit dem Fahrrad den See entlang, den es in dieser Gegend gibt und dachte nach. Über das, was ich eigentlich wollte und was mich so besonders unglücklich machte in dieser Zeit... wie auch immer... eines Tages machte ich Halt in der Stadt, an der ich vorbeikam und beschloss: Ich kaufe mir einen Haufen neue Sachen zum Anziehen, fröhliche, bunte Kleidungsstücke. Vielleicht macht mich das glücklicher. Äußerlich wenigstens...


Warum auch immer landete ich stattdessen in einer kleinen Buchhandlung. Noch heute kann ich diesen ein wenig modrigen Geruch in meiner Nase spüren, der dort herrschte. Und das Licht sehen, das durch die großen Fenster hereinfiel und doch nur schmale Streifen zwischen den hohen Regalen auf den Boden malte. Ich mochte Bücher schon immer, aber so ganz und gar ohne Vorstellung davon, was ich hier eigentlich wollte, fühlte ich mich nicht wirklich wohl hier drinnen. Doch zum Hinausgehen war es schon zu spät, die Verkäuferin hatte mich schon gesichtet und lief eiligen Schrittes zu mir. Würden Sie mit mir gemeinsam eine Tasse Tee trinken? Hä? Was?! Ich war in einer Buchhandlung. Ich weiß noch genau, wie unsicher ich mich damals fühlte (und nicht nur in diesem Buchladen...) und dass ich mir alle möglichen Szenarien ausmalte - nur nicht das, was dann folgte.
Ich bekam eine große Tasse unglaublich süßen Tee und einen Platz auf einem Sofa, in dem ich regelrecht versank... und - ich lernte an diesem Tag jemanden kennen, der mich zu kennen schien, ohne dass ich große Worte verlieren musste. Ohne dass ich auch nur einen Satz über mich gesagt hatte, erzählte mir diese Buchhändlerin von ihrem Leben und vom Weg zu ihrem Laden - und hätte man die Namen ausgetauscht, ich könnte schwören, sie hatte von mir und meinen Gefühlen erzählt...  nun... seitdem hat sich vieles geändert in meinem Leben und ich kann, wenn ich dieses Buch zur Hand nehme, für mich im Stillen sagen: Ja, dieser Tag hat mein Leben verändert. Ich habe es an diesem Tag gekauft. Weil die Buchhändlerin mir gesagte hatte, dass es das Buch wäre, nach dem ich an diesem Tag auf der Suche sei. 


Und sie hatte recht. Es war genau das Buch, das ich brauchte. Auch heute noch. In diesem meinem ganz anderen Leben. Das damit begann, dass ich alle Sicherheiten aufgab und nochmal studierte, mich ganz anders orientierte und vor allem damit begann, genau das zu tun, was ich für richtig empfand und nicht meine Wir-wollen-ja-nur-dein-Bestes - Ratgeber. Und bin glücklich. Auch, wenn ich wenig Schlaf bekomme, meine Kinder mich manchmal ziemlich herausfordern und ich schon über einen Monat an einem (!) simplen Babypatschen stricke mit wenig Zuversicht, dass es da rechtzeitig einen zweiten für unser Sommerbaby geben wird ... aber: ich bin glücklich. 
Und wenn ich das Buch zur Hand nehme, die wundersamen Bilder darin betrachte und das Gefühl von damals, als ... wieder hoch kommt - dann tut das gut: vielleicht, weil es mich mit ganz besonderer Dankbarkeit erfüllt für diese Begegnung im Buchladen und für alles, was danach folgte, auch wenn man sich manches Mal im Leben so vorkommt wie das Pferd am Leuchtturm... aber, es tut gut, ein kleines bisschen damals, als.... 

Montag, 28. Mai 2012

heimatgefühlshosen :)


Es gibt Tage, da träume ich von fernen Ländern. In meiner Studentenzeit bin ich viel gereist - und eigentlich fühlte ich mich dabei gar nicht so wohl. Ich sehnte mich immer nach dem nach Hause - Kommen obwohl da irgendwie das Gefühl war, dass es das nicht so richtig gab. Jedenfalls nicht so, wie ich mir da vorstellte. Denn kaum war ich wieder zu Hause, zog es mich wieder in die Ferne. 
Jetzt ist alles anders. Ich habe ein richtiges Heimatgefühl hier oben - und eigentlich auch kein Bedürfnis zu reisen. Wenn wir denn mal aufbrechen irgendwohin, ist das für mich eigentlich eine Belastung und der Spaßfaktor ist kaum noch erkennbar. Ich überlege, was die Kinder brauchen, vergesse darüber manchmal, dass auch wir Eltern ein paar Dinge benötigen und wenn wir dann im Auto sitzen, kann ich sicher sein, dass mir -zig Dinge einfallen, die ich vergessen habe einzupacken - trotz sorgfältig geschriebener Listen. Ein Mal im Jahr 1500km hinauf zur Familie meines Mannes, das ist genug Herausforderung für mich in Sachen ferne Länder.


Und doch... manchmal, da packt mich ein klein wenig die Sehnsucht nach diesem Neuen. Meine Gedanken gehen zurück an damals, als ich in Rio de Janiero aus dem Flugzeug stieg und fast nicht atmen konnte, weil mir die feuchte Hitze so fremd war. Oder an die unglaubliche Stille in den Highlands Schottlands oder meinen Ärger über die Touristenfluten in Irland, das ich mir so idyllisch keltisch und ruhig vorgestellt hatte. Ich erinnere mich aber auch an verloren gegangenes Gepäck, griechische Filme mit japanischem Untertitel auf dem Flug nach Brasilien und die Hitze mit den surrenden Mücken die ganze Nacht über in Apulien. Aber wenn meine Kinder vor der großen Weltkarte an der Wand im Kinderzimmer sitzen, den Finger umher wandern lassen und die große Schwester mehr oder weniger zielsicher benennen kann, wo unsere Familie und Freunde wohnen in aller Welt... ja... dann gibt es da diesen kleinen Moment, in dem ich ein wenig wehmütig anfange von fernen Ländern zu träumen...


Dabei hat das Leben auch hier so viel Spannendes zu bieten. Jeder Tag bringt Neues mit sich, immer wieder entdecke ich Dinge, die mir noch nicht aufgefallen waren und ich versuche auch manches zum ersten Mal.  Das Leben mit Kindern ist manchmal gar nicht so weit weg von einer Reise in ein fernes Land - und doch ist es wunderbar, dass es dabei so beheimatet ist rundherum. Viel Vertrautes begleitet diese kleinen und großen Abenteuer einer Familie... und doch fühle ich mich dabei nicht eingeengt.


Ganz so wie beim Arbeiten mit einer englischen Anleitung beim Nähen oder Stricken - es ist für mich ein Abenteuer, dessen Ende ich manchmal gar nicht mehr erwarten kann. So ähnlich ging es mir damals mit den Hosen für die Zwillinge aus dem Buch Handmade Beginnings - und heute schien es mir schon wesentlich einfacher: fast schon ein wenig wie zu Hause, auch wenn ich eigentlich nur den Schnitt wieder verwendete und den Rest ganz bedürfnisorientiert gestaltete: dunkler Stoff für erdwühlbegeisterte kleine Damen (sehr im Heimatlook gehalten *grins*), ein wenig Zackenlitze, etwas breiteres Gummiband... und immer irgendein Kind am Schoß, das der Entstehung ganz besonders nahe folgen wollte ;)


Und hier sind sie nun, die Heimatgefühlshosen für meine kleinen Mädchen (wenn jemand einen Schnitt für eine gaaaaaanz einfache Hose für das große Mädchen empfehlen könnte - eine, die nicht nach Pyjamahose pur aussieht... ich wäre dankbar für Hinweise!!) - sie, die mich schmunzeln lassen, wenn sie vor der Weltkarte sitzend mit diesem zu Hosen verarbeiteten alten Dirndlstoff in mir die Sehnsucht nach fernen Ländern aufkommen lassen... ja, das Leben ist ein Abenteuer, jeden Tag. Eigentlich muss man da gar nicht immer so sehr weit in die Ferne schweifen...



Sonntag, 27. Mai 2012

sonntagsfreuden

sonntagsfreude



so ein "zweites frühstück"


 beobachten zu dürfen





Mehr über die Sonntagsfreuden hier - neue Sammler jederzeit willkommen :)
Wer möchte, kann den Link zu seinen Sonntagsfreuden gerne im Kommentar hinterlassen.

Freitag, 25. Mai 2012

ein guter morgen



Wenn ich am Morgen mit den Kindern draußen bin - somit eine bewusste Entscheidung gegen den Haushalt treffe - dann ist das für mich etwas von den Dingen, die schlicht und einfach gut tun:
Dieser Himmel, das besondere Grün jetzt nach den vielen Tagen des Regens, die Ruhe... und ganz besonders die Luft - kühl und gleichzeitig so sonnendurchflutet, dass ich einfach nur staunen kann... und genießen... 


Ganz besonders gut tut es mir, dem nachzuspüren, was mich ein wenig bedrückt momentan. An einem Morgen voller Weite des Himmels finden meine Gedanken Ruhe. Denn auch, wenn ich versuche, nur gute Gedanken wirken zu lassen und Vertrauen in die Kraft der Natur zu haben, wie ich es doch auch im Garten habe: ein klein wenig Angst macht sich breit. Vielleicht verstärkt durch das Zuhören damals, vielleicht wegen der Hormone, vielleicht wegen meiner eigenen Erfahrungen mit Geburten, vielleicht auch einfach, weil die Mädchen momentan einfach sehr pflegeleicht sind und mir mehr Zeit zum Nachdenken und Grübeln bleibt als noch vor einigen Wochen. Die Angst, dass etwas schief gehen könnte... sie ist da. Und lässt sich nicht einfach zur Seite blasen wie eine Wolke im Wind...


Aber es tut gut, wenn ich allen Gedanken freien Lauf lasse in dieser wunderbaren Morgensonne... ich sehe die Wolken im kräftigen Wind dahinziehen und habe tatsächlich das Gefühl, sie würden mir etwas abnehmen... es ist ein guter Morgen. Ich fühle mich irgendwie besser dann. Obwohl ja alles beim Alten ist - von Außen betrachtet. Aber innerlich fühle ich mich leichter. Fast wie eine Wolke. Trotzdem natürlich hätte ich gerne eine Art Garantie, dass alles gut laufen wird.

Mittwoch, 23. Mai 2012

guter hoffnung bleiben...

Gestern war ich zur Kontrolle beim Arzt. Ich mag diese Termine alle paar Wochen, ich freue mich darauf und bin dankbar, dass bisher alles einfach genauso war/ist, wie es sein sollte. Ich mag es, im Wartezimmer sitzend den Blick aus dem Fenster schweifen lassen, in den Zeitschriften zu blättern oder auch so manchem Gespräch der anderen wartenden (meist) Frauen zu lauschen. 
Gestern also saß ich da nach einem eher anstrengenden Tag mit stürmischem Wetter und ähnlich gestimmten Kindern und las mich in einem Magazin durch eine Auflistung von Traditionen bei Hochzeiten und wunderte mich insgeheim darüber, welchen Aufwand so manches Paar bereit ist, auf sich zu nehmen (man bedenke drei Outfits für die Braut an diesem Tag!). Wie auch immer - ich blätterte hin und her, sah mal wieder aus dem Fenster und lauschte auch ein wenig dem Gespräch meiner zwei Kolleginnen im Wartezimmer. Die eine in Erwartung des ersten Kindes, die andere mit schon etwas mehr Erfahrung in der siebenten (!!) Schwangerschaft. Es war nicht zu überhören, in welcher Euphorie sich die junge Frau auf ihr erstes Kind freute - genauso wenig wie das scheinbar unstillbare Verlangen der anderen Mutter, dieser jungen Frau einen ernüchternden Blick zu verpassen. Sie schilderte ihre Geburten in allen Details, erzählte vom Tod drei ihrer Kinder und beendete ihren langen Bericht mit dem Satz: "Ach was, bei Ihnen läuft sicher alles besser." 
Ja... und ich? Ich war hin und her gerissen zwischen einem "Jetzt halten Sie doch endlich die Klappe und lassen Sie diese arme junge Frau in Ruhe!!!" und einem permanenten sehr starken Bedürfnis, mich einfach "rauszuhalten". Fast schon aus Selbstschutzgründen, denn die ganzen furchtbaren Schilderungen gingen auch mir sehr nahe. Ich klammerte mich fest an die Hochzeitstraditionen im deutschsprachigen Raum und war unglaublich erleichtert, als die Frau endlich das Wartezimmer in Richtung Untersuchungsraum verließ. Die junge Mutter blickte stumm aus dem Fenster und ich wurde auch wieder ruhiger. Bis ein Schluchzen die Stille durchbrach. Und dann musste ich meinen "Ich halte mich da raus"-Trip abbrechen.


 Ich versuchte mein Bestes zu trösten, ärgerte mich aber unglaublich über mich selbst, weil ich nicht doch etwas gesagt hatte vorher, opferte meinen gesamten Vorrat an Taschentüchern und bekam glücklicherweise auch gute Unterstützung von der Ordinationshilfe. Die junge Frau wurde ruhiger, konnte sogar lächeln, als ich ihr von diesen wunderbaren kleinen Zehen und Fingerchen erzählte, die man da nach der Geburt bewundern kann.  Auch der Arzt wirkte dann beruhigend auf sie (und später dann noch auf mich) ein - trotzdem: etwas ist mit diesen Erzählungen kaputt gegangen. Und daran haben nicht pränatale Untersuchungen, Komplikationen oder eine schwierige Geburt "Schuld", sondern Worte. Von denen man nicht weiß, ob sie wirklich alle so ganz genau stimmen und deren Hintergründe man nicht kennt.  Vielleicht hat es der erzählenden Frau auch Erleichterung verschafft - wie sagt ein altes indianisches Sprichwort so schön? Man soll erst mal ein paar Monde in den Schuhen des anderen gehen, bevor man über ihn urteilt - oder so ähnlich.
Für mich spüre ich immer deutlicher: es ist gut, wenn ich den Blick auf das Schöne und Gute lenke, für mich persönlich, aber auch für jene, mit denen ich ins Gespräch komme, weil sie selbst ein Kind erwarten und von Erfahrungen hören möchten. Es geht nicht darum zu beschönigen oder falsche Tatsachen vorzugaukeln - aber es geht darum, so zu erzählen, dass man selbst guter Hoffnung bleibt. Ein Leben lang. Nicht nur während dieser besonderen 40 Wochen.


Montag, 21. Mai 2012

was gut tut: zufälle... :)

Während die dicken Regentropfen gegen die Fensterscheiben klopfen und alles im Haus ruhig ist, wandern meine Gedanken zurück zum Wochenende. Es gab da einen spontanen Ausflug zu einem Streichelzoo am Samstag, der irgendwie nachwirkt in mir. Es war am späten Vormittag, als wir von zu Hause aufbrachen  und zu einem Streichelzoo auf einer kleinen Alm, etwa eine halbe Stunde von hier entfernt, fuhren. Die Begeisterung für die herumlaufenden Zwergziegen und die vielen Meerschweinchen, die die große Schwester den kleinen Mädchen immer wieder auf's Neue vorführte, das fröhliche Nachplappern bei den Enten und Gänsen... es war eine wunderschöne Zeit. Gefolgt allerdings von vielen Blicken und etlichen "Schau mal, die haben drei Kinder und sie ist schon wieder schwanger...". 
Das waren keine netten oder vielleicht sogar bewundernden Äußerungen, das waren die von der anderen Sorte. Jene, die es nicht verstehen können, wie man mehr als ein, zwei Kinder (wenn überhaupt) in die Welt setzen kann. Jene, die schon Zwillinge als Supergau bezeichnen und gar nicht glauben können, dass in so kurzem Abstand noch ein Geschwisterchen folgt - die Bezeichnung Unfall fällt in diesem Zusammenhang immer wieder. Das sind jene, die an der Supermarktkasse eine merkwürdige Flut an Pessimismus über mich ergießen und ein bisschen gehören auch die dazu, die ständig und immer wieder nachbohren, ob ich nicht doch Hilfe brauche. Weil das Leben doch unglaublich anstrengend und nahezu unerträglich sein muss mit so kleinen Kindern, weil doch sicher der Haushalt brach liegt, niemand die Fenster putzt oder bügelt. Das ist aber nicht jene Hilfe, die ich gerne annehmen möchte, weil sie mir und uns gut tut, sondern eher eine, die einen besserwisserischen, rechthaberischen und belastenden Beigeschmack hat. 
Wie auch immer. Meine gute Stimmung verfloss nach und nach. Ich hatte kaum noch Augen für die Begeisterung meiner Kinder und auch meines Mannes für diese unglaublich spannende Tierwelt. Und dann gingen wir zur Almhütte dort, gönnten uns zur Feier des Tages (oder auch zur Aufheiterung der Mama...) ein Mittagessen, einfach so. Obwohl im Auto eine Tasche mit kleinen und größeren Leckereien gewartet hätte. Wir saßen also dort an einem schattigen Plätzchen, freuten uns über die reichlich vorhandenen Kindersitze und auch die Kinderportionen, die im Prinzip für jedes Gericht zur Verfügung standen und ich spürte, dass ich ruhiger wurde. Dass mein Ärger verflog und ich wieder ganz da war. 
Wäre da nicht das Paar am riesigen Tisch nebenan gewesen, Sonnenbrille und Wanderausrüsteng und einen Stapel Bücher vor sich liegen. Touristen. Die beiden musterten uns die ganze Zeit, sprachen leise miteinander und studierten nebenbei die Speisekarte - bis der Mann mit einem Mal sagte: 
"Sie haben aber viele Schätze." Was??? Seine Frau lächelte und meinte: "Das ist aber schön, dass sie noch ein Kind bekommen. Glückwunsch!" Häää???? Was waren denn das für Kommentare? Ich konnte das nicht einordnen. War das jetzt spöttisch oder ehrlich oder... was?


Nun... einiges klärte sich wenige Minuten später. Nach und nach füllte sich nämlich der große Tisch des Paares und fünf Mädchen gesellten sich mit einem Jungen hinzu. Alle plauderten miteinander, stritten um Sitzplätze und ließen auf einer Liste festhalten, was gegessen werden wollte - dann verschwand die Kinderschar wieder und rannte um die Wette zum Streichelzoo. Jetzt waren wir die, die den Tisch gegenüber musterten, leise miteinander sprachen und rätselten, ob das jetzt alles ihre Kinder waren...  und nebenbei noch die Speisekarte studierten ;)
Irgendwann hörten wir eine Kellnerin rufen: "Ich geh jetzt mal Bestellung aufnehmen, da wo die ganzen Riesenfamilien sitzen..." und mit einem Mal war da eine Leichtigkeit, ein Plaudern und Erfahrungen austauschen, als wären wir schon lange bekannt. Obwohl wir uns als regelrecht winzige Familie fühlten mit unseren drei Mädchen und dem kleinen Wunder in meinem Bauch - im Vergleich zur Familie am Nebentisch. Es war viel Leichtigkeit darin, auch mit dem Wissen um die Verantwortung, die man als Eltern trägt - und das Bedürfnis, jedem einzelnen Kind gerecht zu werden, die Angst vor Schicksalsschlägen und auch die kleinen und großen Kompromisse, die notwendig werden, je größer die Familie wird... und doch steht über allem eine irgendwie bewusste Entscheidung, die eigentlich nicht gerechtfertigt werden muss. Eine, die wir treffen und für die wir entscheiden, wie wir sie leben und ob wir unsere Kinder als Belastung oder als Schätze empfinden... mit allen Hoch und Tiefs, die es in jedem Leben gibt. Auch ohne Kinder. 

Ja... und hier sitze ich nun und frage mich, ob das wirklich Zufall war, dass wir an diesem Tag spontan da hinauf fuhren. Und dass wir einfach so uns ein Mittagessen in der Hütte gönnten, wir, die wir kaum mal auswärts essen... und dann das Treffen dieser Familie - einen Platz neben ihrem Tisch zu wählen, ins Gespräch zu kommen... und das Wort Schatz dabei ganz oft zu hören und auch zu fühlen. Aber ganz besonders: kann das noch Zufall sein, von meiner großen Tochter ein verspätetes Muttertagsgeschenk zu erhalten aus dem Kindergarten? An diesem Tag... zufällig wieder gefunden beim Aufräumen im Zimmer (die Arme hatte das Versteck vergessen am eigentlichen Muttertag...)... und ausgerechnet eine Schatzkiste...  hmmmm... :)