Meine Zwillinge werden... mobil. Nichts ist mehr sicher vor ihren neugierigen Händchen und alles wird angeknabbert, was in selbige gerät. Um es kurz zu machen: ich bin gefordert. Meine kleinen kreativen Pläne lassen sich dabei kaum umsetzen und ich bin froh, wenn das Haus nicht im totalen Chaos versinkt. Ich bin ein Typ, der Ordnung braucht. Es geht mir nicht gut, wenn überall alles herumliegt und ich nichts mehr finden kann. Leider sieht es aber momentan hier im Haus ganz und gar nicht so aus, wie ich das gerne hätte. Und statt die parallele Schlafpause meiner zwei kleinen Damen, die selten genug ist, für Hausarbeit zu nutzen, sitze ich mit meinem Souvenir aus dem Urlaub am Küchentisch und schaue müde auf die ausräumbereite Spülmaschine und den ebenso einräumbereiten Stapel an Geschirr auf der Arbeitsplatte. Ein Schluck von meinem Souvenir - dem für mich weltbesten Tee, den ich jedes Jahr unbedingt mitnehmen muss aus unserem Urlaub im Norden oben, weit weg von unserer Bergwelt hier - dieser Schluck lässt mich Ja-Sagen zu diesem meinem Moment.
Diese Tasse Tee, die ich mir gönne, am Vormittag, wenn mein großes Mädchen im Kindergarten ist und die zwei kleinen Mädchen schlummern... diese halbe Stunde der totalen Ruhe im Haus: ich brauche sie. Es ist mir lieber, wenn ich dann später zwei quietschende und überall hin krabbelnde Kinder um mich herum habe, während ich den Geschirrspüler ausräume oder die Waschmaschine fülle. Wenn ich zuvor ein bisschen Ruhe für mich hatte, geht das leichter. Ich habe, nach langem Hin und Her mit mir ein kleines Abkommen geschlossen: diese halbe Stunde am Morgen gehört m-i-r. Ganz allein. Auch wenn ich noch schnell etwas erledigen könnte in der Zeit. Ich trinke meinen Tee, schaue in den Himmel, denke mal in diese, mal in jene Richtung und muss grinsen, wenn ich an den Film denke, den ich mit meinem Mann immer und immer wieder schauen kann. Beide vor Lachen fast vom Sofa fallend. Der Film, der etwas mit dem Ja-Sagen zu sich selbst zu tun hat. Lustig, aber irgendwie auch in die Tiefe gehend. Einfach gut. Obwohl ich die Liebe zum Hauptdarsteller des Films eigentlich ganz und gar nicht mit meinem Mann teile.
Es ist dieses Ja-Sagen zu meinem Leben, wie es eben momentan ist. Anstrengend. Wunderschön. Vielseitig. Es ist das Ja-Sagen zu diesen kleinen Momenten des Glücks im Alltag. Wenn mir etwas gelingt, neben neugierigen und sich an alles hochziehenden kleinen Damen zu meinem Füßen und einer Vierjährigen, die irgendwie immer weniger von mir braucht und so in ihr Spiel vertieft ist, dass ich eigentlich störe, wenn ich mal nachfrage, was sie so macht und wie es ihr geht. Es ist auch dieses Ja-Sagen zu Neuem. Kleinigkeiten vielleicht. Das Annehmen, dass mich mein großes Mädchen nicht mehr in der Weise braucht wie vielleicht vor einem Jahr, anders eben. Das Annehmen, dass meine zwei Kleinsten keine Babies mehr sind, aber dafür Weltentdeckerinnen mit flinken Krabbelknien und unheimlich viel Ausdauer. Es ist auch das Ja-Sagen zu süß eingelegten Zucchini statt dem Weiterstricken an meiner Shalomjacke, die im Urlaub nicht wirklich viel weitergewachsen ist. Nun, auch dazu muss ich Ja-Sagen. Weil die Wolle nicht schlecht wird, die geernteten Zucchini aber schon ;)
Wo es mir schwerer fällt, einfach Ja zu sagen - ruhige Zeit für mich am Morgen hin oder her: es ist der Dreck der Baustelle, die weitergeht in und um unser Haus, im Stall und überall eigentlich. Ich sage gerne Ja zu fertigen Dingen. Ich mag fertige Räume in diesem Haus, wo man nichts mehr von Staub, Dreck, Spachtelmasse und Grundierung sieht. Ich mag fertige kreative Projekte, bei denen zwar die Erinnerung an lange Herstellungszeiten vielleicht hochkommt, aber nicht mehr der sehnsüchtige Blick auf den Strickkorb notwendig ist, weil man das Gestrickte schon an sich oder den Seinen fühlen kann. Fertig. Ich bin also gefordert. Rundherum und überall. Das ist anstrengend manchmal. Aber auch gut. Und so blättere ich also bei meiner Tasse Souvenir-Tee in diesem Buch, das mir einmal eine ganz liebe Bloggerin zum Frauentag geschickt hat, einfach so. Ich lese von Frauen (hier gibt es übrigens vieles über Frauen und ihre Geschichte zu lesen!) und ihrem so anderen Leben als dem meinen - und doch ist es wieder ähnlich: sie haben das in ihrem Leben getan, was ich Tag für Tag auf's Neue versuche: Ja-Sagen zu dem, wie es eben ist. Mit Höhen und Tiefen, mal überzeugter, mal weniger. Denn es tut gut, dieses Ja-Sagen. Jeden Tag auf's Neue.
Liebe Maria, ich brauche sie auch, die Ordnung, sonst fühle ich mich unwohl. Es ist wie eine negative Energie, wenn nichts mehr fließen kann, angestaut im Chaos.
AntwortenLöschenManches wächst nur langsam, braucht Zeit, um gut zu werden. "Gut Ding will Weile haben!"
Man muss auch "Ja" sagen, zu den eigenen Bedürfnissen und sich die Zeit nehmen, die man braucht, sonst wird man leicht unzufrieden. Kräfte sammeln in sich selbst.
Eigentlich sind Frauen viel stärker als Männer. Ich mag es nicht, wenn Frauen zu emanzipiert sind. Viel Weiblichkeit geht dadurch verloren. Die Welt braucht diese Weiblichkeit!
Liebe Grüße, Gisela
Liebe Maria,
AntwortenLöschenein prall gefüllter Post!
Wie so oft bei deinen Beiträgen, erkenne ich mich darin ein bisschen wieder!
Geben sie mir Denkanstösse für meinen eigenen Alltag!
Lassen sie in mir Erinnerungen hoch kommen an die Zeit als meine beiden Jungs Überallhinkrabbler und ständig am Hosenbeinhänger, aber noch lieber Aufmamasarmsitzer waren - ein ganz intensive Zeit (super innig, aber auch super anstrengend, aber was erzähl ich dir..).
Vielen Dank fürs Teilen deiner Gedanken!
Und ganz vielen Dank auch für die liebe Post die mich heute erreicht hat!
Die eine Karte (die mit dem Text) hängt nun beim Hauseingang. Sie soll mich immer mal wieder dran erinnern was wirklich wichtig ist!
Und für die anderen wunderschönen Karten habe ich bereits eine Idee: Ich werde lieben Menschen in meinem Leben einfach mal wieder Danke sagen, und ihnen ein paar Worte schreiben!
Du siehst, auch wenn wir uns nicht in echt kennen, und ganz schön weit voneinander weg wohnen, hast du Einfluss auf mich! :-)
Liebe Grüsse, Tina
Gut, darin übe ich mich heute mal ganz intensiv... Danke für deine immer so wunderbar geschriebenen Gedankenanstöße ...
AntwortenLöschenach ja!!!
AntwortenLöschenimmer wieder schön bei dir zu lesen.. ich bin nicht allein zwischen sich hochziehenden krabble-zwillingen :-) wie gut !
lg ka
Schöööööööön !!!!
AntwortenLöschenAch, was ein schöner Post!
AntwortenLöschenDa fühlte ich mich glatt mal zurückversetzt in die Krabbelzeit meiner Zwillinge. :0)
Es ist genau richtig, dass Du Dir diese halbe Stunde am Tag einfach GÖNNST. Sonst schnappt man irgendwann über, weil die Frau Mama bekanntermaßen an allen Fronten gleichzeitig zu funktionieren hat.
Es wird alles besser mit der Zeit. Aus kleinen werden ruckzuck große Menschen, die dann eben anders anstrengend werden. *lach* Du siehst ja die Ansätze schon bei Deiner Großen.
Genieße Deine Tee-Pausen!
Liebe Grüße aus dem hohen Norden!
Wonni
Liebe Maria
AntwortenLöschenDas hast Du mal wieder sehr schön in Worte gefaßt.
GGLG Shippy
Ich wünsche Dir wirklich eine Tee-Pause zum entspannen und wieder auf sich besinnen - wirklich war - dieser kurze Moment der Ruhe ist wohl jeden Tag einzigartig... ich verstehe so vieles und weiß, daß bei mir so einiges anders ist, weil man schon Schritte weiter ist und niemand mehr herumkrabbelt. Aber eines ist geblieben. Das Grundbedürfnis ein paar Moment mit sich genießen zu dürfen! Einfach so!
AntwortenLöschenLiebe Grüße Tinki
Das ist schön, dass du Ja sagst zu deiner kleinen täglichen Ich-Zeit. Du wirst sehen, mit den Jahren wird sie größer, und aus der halben Stunde wird dann eine ganze oder auch mehr. Ich achte auch täglich darauf, dass ich nicht "zu kurz" komme: auch ohne Krabbelkinder habe ich das Gefühl, dass ständig diese und jene Tätigkeit nach mir ruft (vor allem der Bügelberg schreit laut, hihi!), da muss man sich dann schon einfach auch mal abgrenzen können und einen Tee oder ein paar Seiten Buch oder ein paar Sonnenstrahlen genießen, ganz bewusst.
AntwortenLöschenJa, dann also gutes und feines Teetrink-Ritual! :)
so schön! nimmt Dir Deine Zeit das ist so wichtig1
AntwortenLöschensei lieb gegrüßt
Anja
Hallo Maria,
AntwortenLöschenNun bin ich endlich zurück in der Onlinewelt und versuche nun langsam meine Lieblingsblogs wieder zu entdecken. und Dein Post gefällt mir gleich so gut und bringt gerade unglaublich viel Ruhe in mein chaotisch-lautes Wohnzimmer. Jaaaaaaa, das sind Kinder, so ist nun mal. Laut und wild.
ich freue mich so, dich wieder lesen zu können.
Wunderbar geschrieben! Diese kleine Auszeit nur für mich, versuche ich mir auch täglich zu gönnen. Im Moment ausgefüllt mit einem klitzekleinen Nickerchen :-)
AntwortenLöschenGanz liebi grüäss, anja
Ich wünsche Dir, dass Du das mit der halben Stunde für Dich aufrechterhalten kannst. Und ich danke Dir, dass Du mir in meinem Haus zu etwas mehr Ordnung verholfen hast. Mit dem Bild von Deiner Art der Wäschesortierung. Habe mir auch die Kisten von I**ea gekauft und bin sehr glücklich damit.
AntwortenLöschenAlles Liebe von Susanne
Das machst du gut und richtig. Und wenn es nur ein halbes Stündchen zum Auftanken und für dich alleine ist. Ich wünschte, ich hätte früher diese Weisheit des 'Ja-Sagens' schon gehabt. Wunderbar, dass du es in jungen Jahren schon so sehen kannst. Das gibt Kraft.
AntwortenLöschenLiebe Grüße, Ingrid
Hach, wie gut kenne ich das Gefühl, sich nicht einfach hinsetzen zu dürfen, weil es ja so viel zu tun gibt - immer. Und es fällt mir schwer, mir diese Auszeiten ohne schlechtes Gewissen zu gönnen. Auch wenn ich extra früher aufstehe, um in Ruhe im Tag anzukommen, hab ich doch ein schlechtes Gewissen, wenn ich mich mal hinsetze und beim Kaffee lese, statt ihn nebenbei beim Spülmaschine ausräumen oder Wäsche abnehmen zu trinken. Obwohl ich weiß, wie gut diese Zeit tut und wie wichtig sie für den ganzen restlichen Tag ist...
AntwortenLöschenP.S.: Verrätst Du den Filmtitel?
...ähem, link übersehen, vergiß das PS :-)
AntwortenLöschenDu hast Recht, so ein bisschen Zeit für sich selbst ist GANZ wichtig. Ich muss mich zwar auch immer wieder erst daran erinnern, mir diese Zeit zu nehmen, aber alles andere ist dann einfach viel leichter!
AntwortenLöschenUnd süß eingelegte Zucchini - das klingt sehr interessant!
LG Steffi
wie schön:) und wie wahr;)...alles hat seine Zeit und Zeit für sich selber braucht man auch (auch so ein Thema für mich)...
AntwortenLöschenJenMuna
ps: süß eingelegte Zuccini hab ich noch nie gegessen, du machst mich neugierig;)
Du machst es genau richtig mit Deiner Teepause! Ich habe ein wenig gebraucht, um zu erkennen, dass es nur eine richtige Pause ist, wenn ich nicht zwischendurch rumlaufe, Blumen giesse, schnell einen Anruf erledige. Jetzt setze ich mich hin - wenn es geht, noch draussen - und tue einfach gar nichts ausser Teetrinken und vor-mich-Hingucken. So ist es eine richtige Pause vom Alltag, und der Tee wird auch bewusster wahrgenommen...
AntwortenLöschenWeiterhin viele solcher aufbauenden Momente! Martina
Es ist immer wieder spannend bei Dir zu lesen! Die lästigen Baustellen gehen vorbei, irgendwann hast Du dafür das weltschönste Berghaus mit eigenem Kreativbereich, bestimmt!
AntwortenLöschenUnd süße Zucchini klingen auch spannend ;-) Darf ich fragen was drin ist, im Souvenir-Tee? Man kann sich in vielen Apotheke ja (Kräuter-)Teemischungen zubereiten lassen, wenn man möchte, falls diese Kräuter bei uns nicht wachsen sollten.
@Gisela: Ich mag es, wenn Frauen emanzipiert sind ;-)
Ihr Lieben: Zucchinirezept folgt am Sonntag bei den Sonntagsfreuden :)
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