Dienstag, 04. Oktober 2011

was gut tut: der ganz normale wahnsinn

Es gibt Tage, da geht mir alles irgendwie leicht von der Hand. Und dann aber auch Tage, an denen läuft irgendwie alles eher eckig, um es mal geometrisch auszudrücken. Wahrscheinlich (hoffentlich!!) gibt es das bei jedem immer mal wieder. Trotzdem erfordert es viel Energie. Ich spreche jetzt nicht von irgendwelchen Problemen oder besonderen Situationen, sondern einfach vom ganz normalen Wahnsinn. Den der Alltag mit Familie eben manchmal so mit sich bringt. Solche Tage beginnen dann in der Regel so gegen 5 Uhr morgens. Draußen noch alles stockfinster und die quietschenden Zwillinge wecken ihre große Schwester, deren Laune um diese Zeit nicht wirklich berühmt ist. Trotzdem natürlich will sie nicht noch ein bisschen im Bett bleiben (was ich hingegen sofort tun würde, wenn ich nur irgendwie könnte...) sondern gleich den Tag beginnen lassen. Am besten mit einer kleinen Grenzenaustestung zum Thema: "Warum man bei 5 Grad morgendlicher Temperatur besser kein ärmelloses Sommerkleid anziehen sollte." Diese Tage lassen mich nicht immer all das Gute und Ruhige in all dem ganz normalen Wahnsinn erkennen. Obwohl es das gibt. Immer wieder und so oft, dass es eigentlich gar nicht von meinem Missmut über Kleidungsdiskussionen und umgeschüttete Kakaobecher untergehen müsste. Auch zwei, drei gefüllte Windeln kurz nacheinander einige Minuten vor dem Aufbruch in den Kindergarten sollten mich da nicht aus der Bahn werfen. Denn es ist ja nichts Schlimmes, sondern einfach nur Leben in all seinen Facetten, das da zu spüren ist.


 
 So früh aufzustehen bringt mir nämlich friedlich spielende Zwillinge am Teppich mit neuem Spielzeug von der lieben Selmama, das sie immer wieder durch ihre Händchen wandern lassen. Oder sich gegenseitig wegnehmen... dieser Frieden am Morgen lässt manchmal (ok... selten) in mir sowas wie Hausfrauengenuss hochkommen und beginnen, die Kästen zu ordnen, wärmere Kleidung hervorzukramen und mit frischem Lavendelduft (von Heibenibären) zu versehen. Ein Blick in eine gewisse Ordnung lässt mich immer ein klein wenig zufriedener werden und milder mit mir selbst, was meine Hausfrauentätigkeiten betrifft. Das tut gut. Vielleicht ist es auch der Lavendelduft, der mich so beruhigt. Die Gedanken wandern und Erinnerungen kommen hoch, wenn ich meine ausgeleierten Winterpullover im Regal sehe, die letztes Jahr ja einen Zwillingsbauch beherbergten. Ich schaue dann zu meinen Kleinen am Teppich und bin einfach nur glücklich. Alltag mit Beginn um 5 Uhr morgens inklusive.


Was mich noch glücklich macht, ist, dass wir hier oben mehr und mehr ankommen. Wir haben jetzt nicht mehr nur die Bezeichnung "die Neuen" oder "die xy, die Enkelin vom z, der... blablabla" sondern sind jetzt der junge S. und die junge S. - d.h. wir haben den Namen unseres Hofes bekommen. Ein kleiner Aufstieg sozusagen in einer Gegend, in der kaum jemand mit dem richtigen Namen angeredet wird, sondern mit dem Hofnamen. Was dieses Ankommen also mit sich bringt, ist, dass wir zunehmend mehr in Kontakt mit den Leuten hier oben kommen. Beim Vorbeispazieren auf einen spontanen Kaffee eingeladen werden oder angerufen werden, wenn Hilfe gebraucht wird. Oder jemand kommt einfach mal so vorbei, um ein bisschen zu plaudern (oder neugierig zu sein, welche Baustelle wir da jetzt wieder in Arbeit haben... zwischen den Bäumen sieht man ja nicht so gut hindurch *grins*) und... es bringt Überraschungen. Mitten in meinem Wahnsinnstag kommt da ein Traktor mit Trampolin angefahren, ausrangiert vom Nachbarn, dessen Kinder schon zu groß sind und kein Interesse mehr am Herumhüpfen haben, sondern ins Zeitalter des Mopedführerscheins getreten sind. Laune des Mädchens: schlagartig auf Brav-Modus umgestellt. Geduldiges dem Papa Schrauben reichen zum Aufbauen des Netzes inklusive.


An diesen Tagen, die eigentlich nicht so gut laufen tun sich immer wieder Möglichkeiten auf, die ich nicht für möglich halte. Eigentlich ist es nämlich so, dass wenn ein Tag schon so beginnt, in mir ein kleiner Mechanismus wachgerüttelt wird, der da sagt "Heute ist wieder nix mit Nähen oder Stricken. Das wird heute mal wieder ein Tag..." und eigentlich ist das schlecht. Weil es meine Stimmung trübt. Mich genervt werden lässt, statt meinem großen Mädchen einfach gleich  ein langärmeliges T-shirt unters ärmellose Kleid zu geben (ein Vorschlag, mit dem die kleine Dame mich letztlich umstimmen konnte bei ihrem Kleidungswunsch) .  Oder mich vergessen lässt, dass die kleinen Damen am friedlichsten und ruhigsten sind, wenn sie auf Entdeckungsreise gehen können und nicht im Gitterbett schimpfen müssen, weil ich selbst mich nicht entscheiden kann, was ich anziehen soll (und überlegte welches System im Kasten besser wäre, so kam es nämlich dann zum Kastenaufräum-Gedanken...) - tja, es sind so Tage, an denen es gute Überraschungen gibt, nicht nur weniger gute wie das ständige Wickeln innerhalb von wenigen Minuten, in der einen Hand schon die Autoschlüssel... aber die guten überwiegen bei weitem. Nicht nur wegen dem Trampolin oder der Postbotin mit den vielen lieben Überraschungen, die da den Weg zu mir fanden. Nicht nur, weil ich abends dann einige Kirschkernfische fertignähen konnte, die schon tagelang darauf warteten gefüllt und zugenäht zu werden. Sondern einfach, weil der ganz normale Wahnsinn gut tut. Wirklich gut. Und das sollte ich mir dringend verinnerlichen für's nächste Mal. Morgen vermutlich ;)

11 Kommentare:

  1. ja genau so ist es! du sprichst mir gerade aus der seele............. .ich lese gern bei dir!!!
    lg petra

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  2. Soso, da kam ein Trampolin angefahren - DAS ist cool!

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  3. Was da nicht alles tolles durch die Gegend fährt bei Euch.
    Wir mussten das Trampoline verschieben, es stand unter dem noch einzigen mit Äpfel voll behangenen Baum...aua! rief das Kind!
    Liebe Grüsse
    Elisabeth

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  4. Ach, ein so wahrer Post! Geht mir im Moment auch so :-)
    Ganz liebi grüäss, anja

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  5. Jaaaa! Genau so ist es. Alles Liebe, Katharina

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  6. Oh man mein Tag war heut ähnlich, allerdings ohne Kinder. Eieiei, da bewundere ich dich das du soviel positives daraus gewinnen kannst. Ich sehe schon, mein weg ist noch lang. Aber so ist das nunmal im leben. Schönen Abend wünsch ich dir

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  7. Ach ja, der ganz normale Wahnsinn.... Ich kenne dieses gefühl sehr gut und nach einem ansrengenden Tag mit Kinder mache ich mir gern selber eine kleine Freude :) Heute habe ich in aller Ruhe (und nicht schnell schnell zwischendurch) deine letzten Einträge gelesen und mich (mal wieder) in so vielen Dingen wieder erkannt. Danke dafür!

    Und die Fische sind soooo hübsch geworden. Eine wirklich schöne Idee!

    Viele liebe Grüße!
    Claudia

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  8. Ja, Du hast Recht, und so viele Situationen sind so identisch. Dieses übermüdete Aufstehen und darüber nachdenken, dass der Tag doch so nicht gut werden kann - das raubt einem die Sicht darauf, dass da doch noch etwas gut werden kann. Danke für diesen Eintrag!

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  9. Ach herrje, da werde ich beim Lesen fast 15 Jahre zurückverfrachtet, in die Kindergartenzeit meiner Großen, die IMMER mit Kleid losmußte und wir alles aber auch alles dransetzen mußten, dies irgendwie zu erfüllen. Es war zum lachen: Mit Gummistiefeln, Kleid und manchmal bei Kälte auch Schneeanzug über dem Kleid ab in den Kindergarten( das Geknautsche störte da gar nicht ). Zum Glück hatte ich da keine Zwillinge neben dran...allerdings den Druck danach zur Arbeit fahren zu müssen, was auch nicht viel besser ist!
    Ja - irgendwie fragt man sich dann manchmal, wie man das eigentlich alles so bewältigen konnte. Und so frage ich mich bei Dir und auch anderen das manchesmal auch. Wo bleibt da der eigene Energie-Tank-Wagen, der die Mutterreserven wieder auftankt, rechtzeitig zu dem alltäglichen Wahnsinn?!
    Liebe Grüße und viel Energie wünsche ich Dir!
    Liebe Grüße Tinki

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  10. Liebe Maria,

    der „ganz normale Wahnsinn“ sieht wohl bei jedem anders aus.
    Du hast mit Deiner Familie noch das volle Leben im Haus. Genieße es, solange Du kannst. Irgendwann wird es ruhiger werden. Dann wirst Du vermissen, was Dich heute stresst. Wie schnell sind die Kinder groß – und dann!?
    Dann gibt es noch ganz viel Zeit zum Handarbeiten für Dich, später für die Enkel.

    Den „Brav-Modus“ finde ich klasse! Das kenne ich auch, wenn mir meine Katze den Pfefferminzteebeutel aus der Tasse geklaut hat und die grünen Flecken auf meinem gelben Teppich verteilt sind. Dann schnurrt sie im besagten Modus leise vor sich hin, als hätte sie nie etwas verbrochen. *lach*

    Freu Dich: Die Zeit schlägt vor Deinen Augen Purzelbäume und Du darfst dabei sein…mittendrin im vollen Leben!

    Ganz liebe Grüße, Gisela

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  11. *Grins* und heftig mit dem Kopf nicke während dem Lesen! ;-)

    Liebe Grüsse, Tina

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