Gestern war ein Tag, der genau zwischen dem stand, was für mich den Herbst ausmacht. Es ist dieses Dazwischen das mich so fasziniert an dieser Jahreszeit. Das volle Leben gleich neben dem Sterben und dem zur Ruhe kommen. Die Ernte, die den Reichtum und die vielen Möglichkeiten des Lebens zeigt - und oft erntet man von schon vertrocknenden Pflanzen. Es ist alles so... selbstverständlich irgendwie... in der Natur. Dieses Welken, Vertrocknen, Abfallen, Verdorren, Absterben... all das geschieht ohne Gram, einfach weil es so sein soll. Und die Gewissheit, dass es gut ist wie es ist, durchdringt all das. Denn das zu Boden gefallene Laub tut Gutes... es schützt den Boden vor den frostigen Nächten, und bildet in seiner Veränderung wieder neue Lebensgrundlage. Genau das fällt mir oft so schwer im Leben einfach anzunehmen: Dass manche Dinge einfach sein sollen. Ohne dass ich es großartig verstehen muss. Das Vertrauen, dass es gut ist genauso wie es ist... an all diese Dinge erinnert mich der Herbst. Und immer mehr versuche ich, die Natur eine Art Lehrer für mich sein zu lassen.
Es war ein Tag voller Wärme und Geborgenheit. Die Sonne schien, und auch wenn der immer stärker werdende Wind einen Wetterwechsel erahnen ließ, so schien doch alles so friedlich. Und irgendwie wie immer. Die Ruhe, die Wäscheleine voller frisch gewaschener Wäsche, der Garten mit seinem leuchtenden Blumenkohl und das Trampolin, das zum neuesten Lieblingsspielzeug aufgestiegen ist. Dürre Barbiepuppen nur noch halb so interessant (macht mich nicht wirklich traurig *grins*)... und die Begeisterung der Zwillinge beim Beobachten ihrer springenden großen Schwester laut hörbar ;)
Es war ein schöner Tag gestern - einer, an dem ich den einen Ärmel, an dem ich wohl schon ewig stricke, so weit zum Fortschreiten brachte, wie schon lange nicht mehr. In der Hängematte sitzend, Runde um Runde die Maschen zu arbeiten, erfüllt mich mit einem so herbstlichen Gefühl... der Gedanke, bald eine wärmende Jacke zu haben. Meine allererste selbstgestrickte... es hat etwas von Erntenkönnen nach langer und intensiver Arbeit. Und dem zur Ruhe kommen danach.
Das war gestern, dieser wunderbare sonnendurchflutete Tag. Heute sieht es anders aus. Wir haben Schnee, wenig zwar, aber immerhin ist er zu uns herunter gekommen. Die Gipfel erinnern an tiefen Winter und die Luft ist irgendwie eisig und füllt die Lungen auf ganz andere Art beim Atmen als der sanfte Herbst. Auch wenn ich irgendwie um den Wetterumschwung wusste, so war die Deutlichkeit doch irgendwie überraschend mit der der Winter langsam hier Einzug zu halten gedenkt. Der Blick aus dem Fenster in dichte, kalte und nasse Nebelschwaden ließ mich seufzen. Doch als ich am späten Vormittag wieder meine Jacke zur Hand nahm, um weiterzustricken... da war es wieder da, das Herbstgefühl. Die Wärme von gestern. Und irgendwie auch Zuversicht. Dass das Leben schon in Ordnung ist, so wie es ist. Auch wenn nicht immer alles in meiner Planung vorgesehen ist oder anders läuft, als gedacht. Es passt schon. Und es ist ein gutes Gefühl, dieses Herbstgefühl - diese Jacke, sie wird meine Herbstgefühljacke. Das denke ich mir jetzt. Weil sie - auch mit nur einem dreiviertel Ärmel dieses warme Gefühl hochkommen lässt, das ich im Winter dringend brauche. Ich liebe den Herbst nämlich, habe ich das schon mal erwähnt? Und der Winter ist keine einfache Jahreszeit für mich. Aber das ist in Ordnung. Ich habe ja meine Jacke... irgendwann jedenfalls ;)
Ja schau an, die Jacke ist ja bald fertig, und wieder soooo schön geschrieben :-)
AntwortenLöschenIch saß gestern morgen auch im Kindergarten, mit dem Gesicht in der Sonne und dem Herbstwind und dachte, dass der Herbst auch meine liebste Jahreszeit ist, so melankolisch weil jetzt der Sommer vorbei ist und die lange, kalte, wenig helle Jahreszeit kommt....wie sage ich zu solchen Tagen dann immer "Frederik-Tage" kennst Du Frederik die Maus, welche Sonnenstrahlen und Farben sammelt aus dem Kinderbuch ???
viele liebe Grüße
nicole
Das ist wohl jetzt die Zeit der Kontraste, wo Sommer und Herbst noch eine Weile nebeneinander bestehen, obwohl man bei euch ja schon fast von Winter sprechen muss. Schnee?! So kalt?! Und ich bibbere schon draußen bei 12 Grad (am Tag) und finde das sehr kalt.
AntwortenLöschenManchmal sagt man ja: die Natur stirbt, aber wenn man im späten Herbst genau hinsieht, entdeckt man schon Knospen fürs nächste Jahr. Sehr hoffnungsvoll, das.
LG, Ingrid
Wahnsinn wie schnell sich das Wetter bei euch dort oben ändert..die Bilder sehen nach einem wunderschönen goldenen Herbst aus, der noch viele schöne laue Tage verspricht und dann Schnee...deine Bilder sind so schön geworden, ich genieße sie richtig;)
AntwortenLöschenUnd dein Shalom..einfach toll! Ich würde mir den auch sehr gerne (nach meinen beiden kleineren Strickprojekten jetzt) auch mal vornehmen, aber wahrscheinlich werde ich hoffnungslos versagen..oder du stehst mir ein wenig bei:)?
JenMuna
Dein gutes Gefühl, das Herbstgefühl, kann ich so gut nachvollziehen. Die letzten Tage (Wochen) waren ein Wetterherbsttraum und ich habe auch jeglichen Sonnenstrahl genossen, ob faul in der Sonne gelegen und gelesen, noch einige Runden mit dem Mountainbike gedreht, mit der Gewissheit, dass das die letzten Runden für dieses Jahr sein können.Im Garten gepflanzt, umgepflanzt,dem Kompost viel Laub, meine Sonnenblumen und Wicken... :-( zugefügt und noch einmal Rasen gemäht und die Hirschbrunft gehört und gesehen.
AntwortenLöschenUnd jetzt von einem Tag auf den anderen, mit der üblichen Wetterumschwungankündigung, schneit es heute... in der Früh nur auf den Gipfeln und jetzt legt es auch bei uns im Tal (1100HM) an.
Dir mit deinen Liebn, ein gemütliches und kuscheliges Wochenende!
Julia
Oh, deine Shalom wird wunderschön.Auch ich war gestern noch an der Wärme,im Garten am rumwerkeln. Kann es kaum glauben wie schnell das Wetter wechseln kann. Auf den Bergen liegt heute Schnee.
AntwortenLöschenWünsche dir ein gemütliches Wochenende
lieber Gruss
Bettina
Ich mag den Herbst auch total gerne... aber schon Schnee, ohje.
AntwortenLöschenPssst, schau mal bei mir im Blog ;-)
Viele liebe Grüße, Marlia
Deine Shalom sieht hinreissend aus! Wirklich - herbstgefühlmässig... Und du findest wieder einmal die passensten Worte... so gehts mir auch, auch wenn hier noch lange kein Schnee liegt (hoffentlich), aber doch schon ganz schön kalt ist.
AntwortenLöschenGanz liebi grüäss, anja
oha - schnee! hier hat es nur schnatterkalte 12° und regnet. und wie anders der regen ist als der sommerliche regen noch vor zwei wochen: richtig kalt und pladderig, holt das laub von den bäumen und mach die wege rutschig. wenn ich könnte, würde ich mir ein feuer anmachen! (aber wir haben keine anschlußmöglichkeit für einen ofen...) aber stricken kann ich, auf dem sofa - das finde ich auch sehr herbstlich!
AntwortenLöschenHallo!
AntwortenLöschenBisher war ich ein stiller Mitleser in deinem Blog, aber heute muss ich ein großes Lob loswerden - du beschreibst genau das was ich auch im Herbst fühle... Und ich mag den Herst, aber auch den Winter! Wie wurde es hier schon so gut ausgetrückt: Du findest die passenden Worte! Und deshalb schau ich hier auch gerne rein!
Weiter so!
Früher mochte ich den Herbst nicht, er stimmte mich traurig -. Endzeitstimmung machte sich breit. Inzwischen sehe ich auch die wunderschönen Seiten, Ofen an, ernten, Gemütlichkeit, lesen, stricken und so weiter. Ein schöner Text von dir!LG von Rana
AntwortenLöschenIch habe noch nie einen so schönen Bericht über den Herbst gelesen. Du bist eine Wort- und Schreibkünstlerin.
AntwortenLöschenIch wünsche Dir mit Deinen kleinen und grossen Wundern ein schönes Wochenende
Elisabeth
Sie wird wunderschön, deine Shalom! Und der Herbst ist/wird es auch...
AntwortenLöschenBora
Liebe Maria,
AntwortenLöschenDeine Shalomjacke sieht sehr gut aus! Du stehst kurz vor der Vollendung. Die Rundpasse war sicher nichts für Ungeduldige, aber Du hast sie gemeistert. Toll!
Wenn ich mir die verschneiten Gipfel vorstelle, dann bekomme ich ein schönes Bild. Drinnen ist es kuschelig warm, die Ernte ist eingebracht. Das Jahr neigt sich dem Ende zu und legt sich in majestätischer Manier zum Sterben nieder. Alles muss vergehen, damit Neues entstehen kann. Der Herbst bringt denkwürdige Momente, in denen wir innehalten können...Kraft schöpfen für das was kommt.
Ganz liebe Grüße, Gisela
Hallo Maria,
AntwortenLöschenich hab's ja auch nicht so mit dem Winter, aber seit ich Herbst und Winter mehr mit den Worten "Veränderung, Umwandlung" in Zusammenhang bringe anstatt mit "Absterben, Verfaulen, Erfrieren" usw., komme ich damit viel besser zurecht.
Alles Liebe und schönes Wochenende!
P.S. - Ich mag das Wort "Herbstgefühljacke"! :)
boah he du nimmst für jeden sogg ein chlöbli und zusammenpassen tun die auch gad schon beim aufhängen das imponiert mir etz aber und mit so schönen post s von dir find ich den nahenden winter gad romantisch und etz geh ich pflanzen innennehmen der schnee kommt vielleicht gad bis aben hier au alles liebe dir
AntwortenLöschenWunderschön Deine Gedanken zum Lauf der Zeit. Ähnliche hatte ich neulich, als ich zum joggen im Wald gewesen bin. So ein Baum durchläuft Jahrhunderte, verliert sein Laub, schläft ruhig und dann beginnt alles neu...
AntwortenLöschenDeine Strickjacke ist wundervoll geworden. Soetwas Schönes würde ich leider nicht hinbekommen. Bei mir reicht es nur für Socken... ;O)
Liebsten Gruß
Sandra