Unser Leben hier oben ist eigentlich jeden Tag irgendwie ähnlich. Nicht eintönig oder monoton, aber sich in den wesentlichen Dingen wiederholend. Ich mag das. Meine Kinder vermutlich auch. Ich spüre, wie sehr sie einen ganz einfachen Rhythmus brauchen und auch, dass sie ihn irgendwie fast schon einfordern. Am Morgen, wenn wir das Frühstück beendet haben und alle im Bad waren, wandern die zwei Kleinen sofort zu den Schuhen und suchen sich ihre Sandalen und bringen sie mit deutlicher Aufforderung, sie jetzt - und zwar sofort! - anzuziehen. Der Ablauf jeden Morgen mit einem Besuch im Hühnerstall und dem anschließenden Fahren zum Kindergarten scheint sich eingeprägt zu haben. Das Wochenende, wenn wir nach dem Hühnerfüttern nicht ins Auto steigen, ruft irgendwie Verwirrung bei den kleinen Mädchen hervor (die sich aber schnell löst, weil es ja sonst auch genug zu tun/entdecken gibt...).
Wir unternehmen nicht oft etwas Außergewöhnliches - der ganz normale Alltag reicht irgendwie, weil er auch reich an Abwechslung ist und weil es ohnehin immer wieder Dinge gibt, die dazu kommen. Aber ab und an, da muss es einfach sein: wir setzen uns ins Auto und fahren drauf los. Meistens an einen Ort, der sehr kinderfreundlich ist (so wie damals) - und manchmal, so wie gestern, eben auch an Orte, von denen man das eher nicht denkt, den wir aber als Ziel hatten, weil ich dort beruflich etwas zu erledigen hatte.
Es waren kaum Leute dort. Vermutlich weil in Österreich Feiertag war und in vielen Gegenden an diesem Tag Prozessionen stattfinden - nur nicht an diesem Ort, weil sie aus touristischen Zwecken (laut Kellner in einem Gasthaus, das genau eine (!!) Speise auf der Menükarte anbot) auf den Sonntag verlegt wurde. Jedenfalls: ideale Bedingungen für uns. Eine ruhige, leere, lichtdurchflutete Kirche, in der die Kinder ruhig und langsam von einer Bankreihe zur nächsten wanderten, die reich verzierte (barocke) Orgel hoch oben am Chor bewunderten und unsere Große viele Fragen stellte, die nicht alle wirklich frommer Natur waren und so manchen tief gläubigen Menschen vielleicht verstört hätten, aber eben durch die Bilder und Statuen einfach ganz natürlich Neugier erweckten - ein verlassen wirkendes Kloster mit einem Kreuzgang zum fröhlichen Umherlaufen, allerhand Kuriositäten, viele Besonderheiten und draußen viel Grün, Sonne und etwas Wasser am Friedhof... ein kleiner, fast schon idealer Ort für unsere bewegungsfreudigen, neugierigen Mädchen und irgendwie auch entspannend für uns Eltern.
Nach einer langen Autofahrt (immerhin fast 90 Minuten für eine Strecke) und einigen Stunden an einem Ort, den wir uns vermutlich nie ausgesucht hätten für einen kleinen spontanen Familienausflug blicke ich irgendwie reich zurück auf diesen Tag. Es war eine kleine Unterbrechung unseres ganz normalen Alltags, ein wenig auch herausfordernd (das Mittagessen... EINE nicht gerade kindgerechte Speise plus KEINE Kindersitze...) und aber doch einfach schön. Die Kinder konnten ihrer Bewegungsfreude nachgeben, es gab allerhand zu entdecken - und wir hatten so Zeit und Ruhe, um einfach mal auf einer Bank zu sitzen und ihnen zuzuschauen (jede Menge Fotos zu machen auch...) - vor allem aber mal wieder von ein wenig Kunst und Kultur umgeben zu sein, Themen aus Studienzeiten wieder hervorzuholen, über eigene Vorstellungen und Interpretationen ins Gespräch über Dinge zu kommen, die weder etwas mit unserem jetzigen Leben hier oben als Familie zu tun haben, noch mit unseren Berufen oder ähnlichem - sondern einfach... ja... reich machen.
Vielleicht ganz besonders reich fühlen lassen, weil sie vereinbar sind mit dem, was eben zu unserem ganz normalen Rhythmus gehört: unser Leben hier oben, unsere Kinder, die Berufe, Interessen usw. - aber eben: wir sind auch noch wir beide - D. und M., die sich in der langweiligsten Vorlesung des gesamten Studiums kennen gelernt haben und zwar jetzt ganz wo anders stehen, als wir uns das noch vor Jahren gedacht hätten, aber unglaublich glücklich sind. Mit allem drum und dran von Haus, Hof, Kindern etc. - und zu zweit.
Seltsam, dass wir ins Gespräch vertieft waren über Themen, die in eben dieser langweiligsten Vorlesung des Studiums behandelt worden waren (an die wir uns aber kaum mehr erinnern *grins*) - manchmal sind es die ungewöhnlichsten Dinge, die mich reich fühlen lassen. Ganz unvorhergesehen, ganz außerhalb des gewöhnlichen Rhythmus. Das tut gut :)









Wunderbar geschrieben und beschrieben... Dein Alltag mit seinen Abwechslungen. Ich finde es immer wieder so berührend, WIE sehr Du alles aufsaugst und genießt und Dich erfüllen lässt. Und das dürfen Deine Kinder mit(er)leben und Du schenkst ihnen damit etwas Wunderschönes. Ja, Ihr könnt Euch wirklich beREICHert fühlen.
AntwortenLöschenAlles Liebe, Martina :-)
Deine Mädchen sind so bezaubernd. Einen schönen Tag habt ihr da gehabt. Schön, wenn einem so eine Abweichung vom Alltag so bereichern kann.
AntwortenLöschenHerzliche Grüße
Sabine
Eine Familie voller Wunder, weil du sie sehen und sichtbarmachen kannst! das ist so wohltuend und spürbar in jeder deiner Zeilen.
AntwortenLöschenDen Friedhof schaue ich mit großen Augen an und wünschte mir, eine solche Pracht wäre hier auf dem unseren möglich.
Ein ebensolch WUNDERvolles Wochenende wünscht dir
Katja
... Ich brauche auch den immer ziehmlich gleichen Ablauf ... vielleicht weil ich dann alles besser planen kann und mich einfach wohlfühle so... vielleicht aber auch da ich Jahrelang so leben mußte durch den Autismus unseres Sohnes.
AntwortenLöschenAuch ch besuche manches mal den Friedhof mit Emily ... ich finde es ist ein ort der Ruhe und auch des Glücks... das Glück leben zu dürfen... seine Kinder um sich zu haben und daran zu denken man sollte nicht zuviel Jammern sondern mit dem zufrieden sein was man haben darf.
Ich liebe deinen blog ...deine Worte... dein Reichtum ... ja für mich ist das was du hast und wie du lebst was sehr sehr wertvolles ♥
Ein wunderschönes Wochenende Marion
Wie immer ♥
AntwortenLöschenDie Fotos deine Mädchen sind so toll (und so hübsche Kleidchen).
Ich mag Kirchen und alte Klöster, da könnte ich Stunden verbringen und mir würde nicht langweilig werden...
Das klingt alles ganz wunderbar und genau so, wie wir es auch halten (wenn auch ohne Kinder). Es muss nicht die große Reise sein, kleine Ortsveränderungen und dort mit offenen Augen umhergehen, das ist es.
AntwortenLöschenLG, Ingrid
Liebe Maria, leider komme ich in letzter Zeit viel zu selten dazu, so richtig intensiv bei dir zu lesen, da ich mir für deine Posts gerne viel Zeit nehme, um in deinen Worten und Bildern versinken zu können. Nun hat mir mein Mann gerade ein wenig Zeit geschenkt und ich fühle mich nach dem Lesen bei dir auch reich und beschenkt. Deine Erzählung ist tiefgründig und realistisch gleichzeitig...wunderbar verwoben. Ich freue mich sehr für euch als Paar, dass ihr diese Minuten der Zweisamkeit so unerwartet genießen durftet!
AntwortenLöschenWie immer habe ich deine Worte aufgesogen und nehme mir mal wieder vor, dem Alltag mehr Beachtung zu schenken, denn bei sind es irgendwie doch noch mehr die Ausflüge und Unternehmungen, die den Tag reich machen. Den Alltag genauso zu feiern, üben wir noch ... aber vielleicht braucht es dazu wirklich eine ruhigere Umgebung, als die Stadt es ermöglicht.
AntwortenLöschenich lese so gern bei Dir ! wunderbar geschrieben!
AntwortenLöschensei lieb gegrüßt
anja
Ich sitze hier kopfnickend vor dem Bildschirm. So geht es mir auch, ich fühle mich reich in meinem Alltagstrott. Und bereichert nach einem Tag, der vom Alltag abweicht, wie du beschreibst. Schön, hier zu lesen!
AntwortenLöschenGanz liebi grüäss, anja
P.S. Wow, dein Mann ist ja ein Hüne :-)
Fast 2m. Sieht lustig aus, wenn wir beide nebeneinander stehen. Wir haben uns übrigens im Sitzen kennengelernt ;)
LöschenIch fühle mich jetzt auch reich und beschenkt.
AntwortenLöschenDanke.
Roswitha
Du beschreibst den Alltag immer wieder sehr treffend. Es stimmt auch, daß die Kinder diese Regelmäßigkeit im Alltag brauchen. Das habe ich an meinen Kindern auch gemerkt. Sie sind ruhiger, sicherer und auch fröhlicher wenn es Regeln gibt die einghalten werden.
AntwortenLöschenSüße Mädels hast Du :-)
LG Papierfrau
Gut, dass eure Vorlesung so langweilig war, nicht auszudenken, wenn ihr so gespannt gelauscht hättet, dass ihr das Rundherum nicht wahrgenommen hättet! ;-)
AntwortenLöschenIch sammle heute auch wieder Sonntagsfreuden:http://needlelittlebalance.blogspot.co.at/2012/06/11-der-hochzeitsquiltthe-wedding-quilt.html
beim ersten bild bin ich richtig dahingeschmolzen - ein so schönes bild deiner familie.
AntwortenLöschenlinnea